Karls Walk of Fame
Karl Lagerfelds musikalische Musen
The Misshapes, Florence and the Machine, Vive la Fête, Beth Ditto... Die Liste Karl Lagerfelds musikalischer Musen ist lang. Gerne vergibt er Sterne, aber macht er auch Stars? Denn nicht selten führt Karls Catwalk tatsächlich zum grossen Fame.
Modezar Karl ist sich also dieser anregenden Symbiose bewusst und weiss die Wechselwirkung für sich zu nutzen. Gut für uns, denn Chanels Chefdesigner beweist nicht nur auf dem Gebiet der Bekleidung einen ausgesprochen guten Geschmack. Regelmässig beschert er uns wahre Juwelen der Sound-Akrobatik. Die auserkorenen Musen und Musikanten dürfen nicht selten seinen heiligen Runway als Bühne nutzen und untermalen mit ihren Klängen die grossen Fashion-Shows. Wer einmal auf Karls Catwalk die Stimmbänder geschwungen hat, dem ist eine steile Karriere garantiert, der empfängt den Ritterschlag der Fashion-Society und wird mit grösstmöglicher medialer Aufmerksamkeit belohnt. Aber natürlich wäre die Wechselwirkung keine, wenn die Kehrseite fehlte: Im Gegenzug bekommt auch Karl die Möglichkeit eines zweiten Standbeins in den Medien, mit dem er über den Tellerrand der Rubrik Mode hinausgucken kann.
Leigh Lezark zum Beispiel zählt zu Karls Inner Circle und stand nicht nur als Model, sondern auch als Teil des DJ-Trios The Misshapes schon auf diversen Laufstegen. Gemeinsam mit Georden Nicol und Greg Krelenstein lieferte sie schon den Soundtrack zu Inszenierungen von Jeremy Scott, Henry Holland, Zac Posen, Viktor & Rolf, Matthew Williamson und natürlich Karl Lagerfeld. Der britischen „Vogue“ sagte die 27-Jährige dazu: „Es ist toll, mit Designern zusammenzuarbeiten. Wenn wir Runway-Musik mixen, setzen wir uns sehr intensiv mit den Designern auseinander, erleben ihre Arbeitsweise und wirken am Gesamtresultat der Show mit. Das ist sehr spannend! Ich liebe Karl, ebenso wie Matthew. Mit ihnen zusammenzuarbeiten, ihre Arbeitsprozesse und Inspirationen mitzuerleben ist unglaublich! Beide haben eine ganz unterschiedliche Herangehensweise.“
2011 wurde bei der Pariser Fashion Week eine weitere Perle der anspruchsvollen Unterhaltungsmusik geboren und das nicht nur im übertragenen Sinne. Begleitend zu Karls Prêt-à-Porter-Schau für Chanel öffnete sich eine grosse weisse Muschel auf dem Runway und offenbarte den aufsteigenden Stern am Musikhimmel: Sängerin Florence Welch liess ihre engelsgleiche Stimme erklingen und erstrahlte in einer schillernden Kreation des grossen Meisters. Danach ging es mit der Karriere der jungen Britin steil bergauf. Mit ihrer Band Florence and the Machine zählt sie mittlerweile zu den gefragtesten Bühnen-Acts der Musikbranche und das nicht nur in der Modeszene. Auch Karl ist nach wie vor hellauf begeistert: „Ich liebe sie nach wie vor. Sie ist eine grossartige Musikerin!“
Etwas weiter in der Vergangenheit liegen Karls temporäre Begeisterung für und Zusammenarbeit mit der belgischen Band Vive la Fête. Die Combo rund um die attraktive Sängerin Els Pynoo verschaffte sich somit auch ein nicht zu verachtendes Ansehen in Modekreisen, bleibt ansonsten aber ein Geheimtipp, wenn auch ein ziemlich guter. Am 11. Mai erschien gerade ihr nunmehr sechstes Album „Produit de Belgique“ – wir sind uns sicher, dass wir es bald auf einem von Karls zahlreichen iPods finden werden.
Und wer hat als Nächstes das Glück dieser unterstützenden Geste? Ganz gute Chancen haben die Art-Popper von Django Django, die Lagerfeld kürzlich im deutschen Fernsehen zu seiner neuen Lieblingsband und deren Track „Default“ zum dazugehörigen Lieblingslied erklärte. Die vierköpfige Band aus der Nähe von London liefert einen schrammeligen Retro-Sound und wird in Indie-Kreisen bereits hoch gehandelt. Ob Sänger und Gitarrist Vincent Neff den Sprung in den umfangreichen Lagerfeld-Clan schafft oder überhaupt schaffen will, ist noch unklar.
Ansonsten hätten wir da noch Baptiste Giabiconi im Angebot. Als Karls Haus-und-Hof-Model sowie männliche Muse in Sachen Mode sorgte er schon für etlichen Gesprächsstoff. Nun möchte er den Laufsteg gegen die Bühne tauschen. „Der will ja jetzt kein Model mehr sein, sondern Sänger werden“, grummelt Karl. Das klingt zunächst nur mässig begeistert und nicht nach grosser Karriere unter des Zaren Fuchtel. Aber warten wir es ab: Karl Lagerfeld war auch nicht gerade bekannt dafür, ein Fan überflüssiger Pfunde zu sein, bevor er Gossip-Frontfrau Beth Ditto für sich entdeckte und erstmals eine korpulente Dame zur Muse erhob. Die Zukunft von Karls Walk of Fame steht also noch in den Sternen.
von Turid Reinicke





