Singapur
Eine Reise in die Zukunft
Futuristisch aussehende Gebäude schiessen aus dem Boden wie Pilze, in den U-Bahnstationen kann per QR-Code geshoppt werden, Fashion Victims und Einkäufer bestellen die Designerstücke per Smartphone-Klick schon während der Modeschauen – Singapur geht schon mal vor!
Es wird früh dunkel in Singapur. In den Hochhausschluchten zwischen Raffles Quay und der Robinson Road reihen sich die Plastiktische aneinander. Die Garküchen am Strassenrand versprühen den Duft von gegrillten Leckereien. Einige Banker in Anzug und Krawatte versuchen, Fleischspiesse zu essen, ohne das weisse Hemd zu bekleckern, eine Familie mit zwei Kindern knabbert an frittierten Tintenfischen, eine Gruppe von Teenagern knacken Shrimps-Schalen, während sie sich gegenseitig die neuesten Asia-Hits auf den Handys vorspielen... Es wird gelacht, geredet und gestritten. Die Temperatur beträgt 30 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent. Es ist die Mischung aus einer modernen Stadt aus Glas, dem Geruch von traditionell asiatischer Küche und dem Klima eines tropischen Regenwalds, die das Gefühl vermittelt, in einer künstlich angelegten Welt zu sein. Es könnten fliegende Hightech-Autos am Himmel schweben und man würde sich nicht wundern, weil sich das Bild problemlos in die surreale Umgebung des Zentrums von Singapur eingliedern würde.
Einige Blocks in Richtung Norden der Stadt wirkt die Szenerie nicht weniger futuristisch. Die Orchard Road ist die grösste Einkaufsstrasse der Stadt, pompöse Schaufensterdekorationen bewerben die aktuellen Kollektionen von High-Class- Labels wie Louis Vuitton und Chanel. In der Mitte der immer frisch gekehrten Strassen wachsen und wuchern unglaublich grosse Sträucher, Palmen und Blumen. Tropische Flora, tro- pische Temperaturen, eine Strasse à la 5th Avenue, ein grosses Fashion-Week-Zelt ragt neben dem Prada Store hervor – und wieder wirkt alles wie an einem künstlichen Ort, wie in einem Treibhaus, durch eine Kuppel von der restlichen Welt abgeschirmt. Hinten rechts könnte eine Tür sein, würde man sie öffnen, würde frische Luft das Atmen erleichtern... Vor dem Zelt stehen die üblichen First-Row-Freaks. Neon-, Glitter- und Plateau-Kombis beschäftigen Publikum und Fotografen, bis der Einlass zu den Audi Fashion Festival Shows gewährt wird.
Drei der Labels sind stetig wachsende Grössen in und aus Singapur. Die Looks von Max.Tan, Mae Pang und Dzochjen wurden nacheinander in einer Show präsentiert. „I can see clearly now the rain has gone“ – vor jeder Schau die gleiche Werbung einer bekannten Fotomarke, der gleiche Jingle. Die Models stolzieren los, all over in Max.Tan (max-tan.com). Der lokale Designer steht für Androgynität und weiche geometrische Formen. Kragen, die zu Taschen werden, losgelöste Nähte – die dekonstruktivistischen Kreationen erinnern an die japanische Grossmeister der Mode. Die experimentelle Verarbeitung von Kork und Metall in der Kleidung geben der Kollektion eine individuelle Note. Der zweite Lauf gehört den Styles des Labels Mae Pang (mae-pang.com). Die Designerin Pang Ai Mei setzt auf Layering und Texture-Mix: Latexrock über Chiffon-Maxirock, Leder-Cut-outs auf Jersey-Shirts. Dass alle Models Baseball-Caps tragen, spiegelt die Cool-Kid-Attitude wider, die sich das Label in den letzten Jahren mit immer aussergewöhnlicheren Stoffmixen, Neonfarben und edgy Cutouts erworben hat. Im dritten und letzten Durchgang zeigt das Label Dzojchen (dzojchen.com) Capes, Hosen und Maxiröcke in tiefstem Schwarz. Die Teile würden jeden Vampirjäger vor Entzücken aufschreien lassen. Chelsea Scott-Blackhall, die Designerin hinter dem Label, hat sich auf Leder und Denim spezialisiert und kreiert Luxury Streetwear, die an die Kollektionen von NY’s It-Designer Alexander Wang erinnern.
Der Clou an den Schauen: Die Shows der Fashion Week werden alle per Livestream im Internet übertragen und danach bzw. schon währenddessen können unter futurefashionnow.com die gesehenen Outfits von jedermann vorbestellt werden. Der Designer weiss also unmittelbar nach der Show, wie seine Entwürfe angekommen sind und ob es sich finanziell lohnen wird. Ist das die Zukunft? Wird die Kreativität dieser puren Realität der Industrie standhalten können? Oder ist dieser Zug sowieso schon abgefahren? Darüber kann man spekulieren. Fest steht, dass der Kaufwille und vor allem die Kaufkraft der Asiaten positiv auffallen und reiche Städte wie Singapur mehr und mehr die Aufmerksamkeit der Modewelt auf sich ziehen. Bei der Pressekonferenz des Audi Fashion Festival wurde Joey Palix, Generaldirektor von Mugler, von Colin McDowell gefragt, warum er Nicola Formichetti als Creative Director für die Marke gewählt habe. Als einen der Gründe nannte Palix: „Interessant an Nicola sind unter anderem seine asiatischen Wurzeln. Er ist Halb-Italiener und Halb-Japaner. Er bringt die neue und die alte Welt zusammen und das ist sehr hilfreich, denn Asien ist die Zukunft.“
BEZIRK
Little India
Bunte Häuser mit bunten Fensterläden, Frauen in Saris, Stände mit Obst, Gemüse, Gewürzen... und Bollywood-Filmen: Little India ist das asiatisch authentischste Viertel Singapurs.
Serangoon Road
Haji Lane (Arabisches Viertel)
Die Strasse der Subkulturen: Wer Tattoos, Vintage-Klamotten und Skater-Labels wie Supreme liebt, wird sich hier wohl fühlen.
SHOPPING
Victoria Jomo
Ketten mit Donut-Anhänger, Schmuck aus Computer-Hardware, Tops mit Cherokee- Muster: neuer und alter Schnickschnack und Klamotten zu fairen Preisen.
9 Haji Lane
victoriajomo.blogspot.de
Charles and Keith
Die Accessoires des asiatischen Labels sind preiswert, sehen aber teuer aus.
Ion-Orchard-Einkaufsszentrum,
2 Orchard Turn #B3-58
charleskeith.com
Hide and Seek
Avantgardistische Styles von einheimischen Designern wie Max.Tan und Jason.
71 Bussorah Street
hideandseek.com.sg
Egg Three
Hipper Concept Store auf 900 Quadratmetern.
Tong Yuan-Industriegebäude
85 Playfair Road #07-01
eggthree.com
KULTUR
ArtScience Museum/Marina Bay Sands
Das von Moshe Safdie entworfene Gebäude sieht aus wie ein zufällig auf der Erde gelandetes UFO. Bis 12. August 2012 wird hier die Ausstellung „Andy W arhol – 15 Minutes Eternal“ gezeigt.
Bushaltestelle an der Bayfront Avenue Marina Bay Sands
marinabaysands.com/singapore-museum
National Museum of Singapore
Zu Bildern und Funden vom Gründungsvater und historischen Ereignissen erzählt eine Stimme im Ohr spielerisch die kurze Geschichte Singapurs.
93 Stamford Road
nationalmuseum.sg
ESEEN
Lau Pa Sat Festival Market
Tische und Stühle auf der Strasse, das Essen (u. a. Garnelen- und Fleischspiesse) wird an den Ständen (Garküchen) gegrillt und gekocht und auf Plastiktellern serviert – Barbecue-Erlebnis inmitten von Hochhausschluchten.
18 Raffles Quay
laupasat.biz
The Blue Ginger
Der Spezialist für Peranakan Food (Gerichte mit Einflüssen der malaysischen wie chinesischen Küche).
97 Tanjong Pagar Road
theblueginger.com
Wild Rocket
Das Menü für circa 26 Euro pro Person, übersichtliche Portionen, interessante Vermischungen von Konsistenzen und Geschmäckern für alle, die Qualität der Quantität vorziehen.
10A Upper Wilkie Road
wildrocket.com.sg
Long Beach at Dempsey Hill
Pfefferkrabben, Tintenfisch, Shrimps – leckerster Fisch ever!!!
Blk 25 #01-01 Dempsey Road
longbeachseafood.com.sg
TRINKEN
BluJaz Café
In einer kleinen Gasse mitten im Arabischen Viertel zwischen bemalten und bewachsenen Häusern kann man in immer heissen Nächten die immer kalten Drinks geniessen und dazu der jazzigen Live-Musik lauschen (Drinks und Essen ab 5 Euro – erfrischend preiswert für Singapur-Verhältnisse).
11 Bali Lane
blujaz.net
Ku Dé Ta
Die Bar auf dem Dach des „Marina Bay Sands Hotel“ grenzt an den berühmten SkyPark mit dem noch berühmteren Infinity Pool. Der Eintritt ist frei, die Musik gut (Lauryn Hill, TLC) und der Ausblick gigantisch – das verzeiht die teuren Drinks (ab 12 Euro).
1 Bayfront Avenue
Marina Bay Sands SkyPark
kudeta.com.sg
FEIERN
Rebel Boutique Club
Ein abgeschlossener Bereich innerhalb des „Zirca Mega Club“ mit HipHop-Arena, Graffiti-Wänden und DJ-Grössen wie Grandmaster Flash.
Block C The Cannery, Clarke Quay, River Valley Road
facebook.com/zircaclub
The Butter Factory
Berühmte Partyreihe in der „Butter Factory“ ist der „Indie Disco Club“ mit Musik von The Strokes, Metronomy, The Kooks und anderen Hipster-Idolen.
1 Fullerton Road
thebutterfactory.com
SCHLAFEN
The Sultan
Boutique-Hotel im Kolonialstil mitten im Arabischen Viertel (Kampong Glam). Kostenloses WiFi und Flatscreen-TV ist die Verbindung zur modernen Welt. DZ ab ca. 124 Euro.
101 Jalan Sultan #01-01
thesultan.com.sg
The Scarlet Hotel
Schwarzer Lack, roter Samt und Kronleuchter: Das Interior und der Slogan „Sleep with me“ des trendigen Boutique- Hotels versprechen viel. DZ ab 200 Euro.
33 Erskine Road
thescarlethotel.com
Hangout @ Mount Emily Hostel
Schönes, preiswertes und zentral gelegenes Hostel (zu Fuss in 10 Minuten in Little India oder der Orchard Road), Dorms ab ca. 26 Euro, DZ ab ca. 39 Euro p.P.
10A Upper Wilkie Road
hangouthotels.com/singapore
hostelworld.com/Singapore
NATUR
East Coast Park
Die Copacabana Singapurs. Das Beste: Bei Hinterlegung des Reisepasses darf jeder einmal im Monat zwei Nächte kostenlos am Strand zelten.
East Coast Parkway in der Nähe vom Flughafen
nparks.gov.sg
von Anna Baur





