Wie würdest du den Look von Boys Boys Boys beschreiben?
Die meisten Labels, die ich anbiete wie Silent by Damir Doma oder DRKSHDW by Rick Owens, verfolgen einen neuen Ansatz in der Männermode: alternative, asymmetrische Schnitte, die man aus der Damenmode kennt, die aber nicht weiblich wirken. Rick Owens macht Männerröcke, die sehen doof aus an Frauen. Mir ist wichtig, dass ich tragbare Sachen verkaufe, die aber im Detail so speziell sind, dass sie sich von der Masse abheben. Die meisten Labels gibt’s in Hamburg und Deutschland sonst nicht oder ich war der Erste, der sie im Laden hatte. Ich mag die Energie von Neuem, das Innovationscharakter hat.
Momentan liegt ja bei Frauen der Tomboy-Style wieder schwer im Trend.
Ich glaube, dass Frauen Männerkleidung tragen, das gibt es schon ewig – seit dem Hosenanzug von Marlene Dietrich oder noch früher. Damals hat das natürlich mehr provoziert. Manchen Frauen steht dieses Boyishe, Burschikose einfach sehr gut. Und es sieht extrem lässig aus, wenn sie weitere Schnitte tragen, mit den Proportionen spielen. Oft kommen Frauen zu mir in den Laden, weil sie nicht drei anderen auf der Straße mit dem gleichen Shirt begegnen wollen.
Wo kann man den Tomboy-Style noch gut shoppen?
Das Label Herr von Eden wird immer spannender. Die aktuelle Frauenkollektion ist stark von der Herrenmode inspiriert, hat aber einen sehr innovativen Look – definitiv eine Top-Adresse für den Tomboy-Style!
Was kommt bei dir als Nächstes? Ein „Girls Girls Girls“-Laden?
Nein. Aber ich könnte mir vorstellen, irgendwann einen weiteren Laden in Berlin aufzumachen. Gerade bin ich dabei, an meinem eigenen Label und einer richtigen Boys-Boys-Boys-Linie zu arbeiten. Dabei lege ich extrem viel Wert auf faire Produktionsbedingungen: Ich war erschrocken, als man mir im Ausland anbot, ich könnte von der blutigen Kinderhand bis zur top ausgebildeten, gut bezahlten Näherin alles bekommen, es wäre nur eine Frage des Preises. Deswegen meine Bitte: ab einem gewissen Alter diese ganze Fast Fashion meiden! Ein Blazer für 19,99 Euro oder ein T-Shirt für 4,99 Euro können nicht fair produziert worden sein, das muss man sich immer vor Augen halten. Besser man investiert in hochwertige, zeitlose Stücke, anstatt viele billige Klamotten mit schlechter Qualität zu kaufen!
boysboysboys.de