MCM
Wie Phönix aus der Asche
Damit hatte wohl niemand mehr gerechnet: vom angestaubten 90er-Jahre- Label der Münchener Schickeria mausert sich MCM derzeit zum angesagtesten Taschenbegleiter der Fashioncrowd. BLONDE wirft einen Blick hinter die Kulissen des Traditions-labels und erklärt die Sache mit dem tiefen Fall, dem fulminanten Comeback – und weshalb wir plötzlich alle diese Retro- Rucksäcke tragen wollen.
Michael Michalsky, Designer und neuer Kreativberater von MCM, brachte es auf den Punkt: Als Teenager habe er am Timmendorfer Strand immer die reichen Damen mit ihren cognacfarbenen MCM-T äschchen flanieren gesehen. Ja, wir geben zu, so ein ähnliches Bild hatten auch wir bis vor kurzem vor Augen, wenn wir an die braun glänzenden Taschen mit dem lorbeerkranzumsäumten Logo dachten. Nicht zu vergessen die Bilder vom Zauberer-Duo Siegfried und Roy, die in den 80ern stilecht mit MCM-Koffern und ihren Tigerbabys durch die Welt jetteten! Aber sonst? Die einstige It-B ag war plötzlich out, aber so was von... Was war passiert? Gegründet wurde das Taschen-L abel Ende der 70er in München von Michael Cromer. MCM (Michael Cromer München) galt lange Zeit als die deutsche Luxusmarke schlechthin. Die Münchener Bussi-Bussi-Gesellschaft liebte den braun gebrannten Inhaber Michi mit türkisfarbenem Ferrari ebenso wie seine auffälligen Monogramm-Taschen, die perfekt zu ihrem mondänen Lebensstil passten. Auch Lady Di und Romy Schneider waren Fans von MCM, Cindy Crawford posierte für die Taschenwerbung sogar nackt. Doch dann kam der Absturz. Steuerhinterziehung, Umsatzeinbruch... das Label musste an Asiaten verkauft werden und die Party um den schillernden Taschenmillionär war plötzlich aus. Fortan wurde MCM als „Muschi-Club München“ verhöhnt und hauptsächlich von grillhähnchenartig gebräunten Oligarchen-Gattinnen ausgeführt.
Aber man muss wohl einmal richtig weg vom Fenster gewesen sein um wiederkommen zu können: Über zehn Jahre waren die braunen Taschen wie vom Erdboden verschluckt, die Geschichten um Michael Cromer längst passé, eine neue Modegeneration war nachgerückt – doch seit letztem Jahr erlebt MCM wieder einen Hype, auf der Berliner Fashion Week sichtete man die cognacfarbenen Taschen bereits wieder. Vielleicht liegt es am authentischen Retro-Charme mit dem plakativen Logo, fest steht nur: Michalsky hat es geschafft, dem verstaubten Label mit viel Ironie ein jüngeres, cooleres Image zu verpassen – mit altem Logo, aber neuen Formen und Neonfarben. Und in die aktuelle Logomanie – man denke nur an die T-S hirts von Céline oder den Rodarte- Schwestern – passt MCM perfekt rein. Besonders angetan haben es uns die nietenbesetzten Rucksäcke, die bereits an Blake Lively und Justin Bieber gesichtet wurden. Und dass Rucksäcke die neue Handtasche sind, haben wir ja bereits im letzten Sommer prophezeit! Perfekt für laue Sommerabende und Platz genug für unser kühles Blondes – wer war noch mal Muschi-Club München?!
von Anna Bok