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Wir tun es

Es ist Frühling und wir fühlen uns wie neu geboren. Was fehlt? Spannende Projekte! Ob ein Online-Shop, ein eigenes Modelabel oder ein eigener Concept-Store – wir zeigen drei Frauen, ihre Projekte und was dazugehört zum eigenen Unternehmen mit Mitte 20!


Twentysomethings zögern längst nicht mehr vor grossen Herausforderungen. Magazine werden auch ohne Verlag im Rücken herausgebracht, Mini-Kollektionen entworfen, Events initiiert und durch Facebook, Blogs und ein gutes Netzwerk gepusht. Und wie ist der Masterplan? BLOND E hat die Jungdesignerin Malaika Raiss, die dänische Online-Shop-Besitzerin Tikkie Oestrich und die Concept-Store-Inhaberin Xenia Alt getroffen und mit ihnen über die Sonnen- und Schattenseiten der immer beliebteren Selbstständigkeit gesprochen.

„Vorgestern wollte ich noch auf die Cayman Islands flüchten; heute denke ich wieder, das ist alles so toll!“, sagt die Jungdesignern Malaika Raiss einen Tag vor ihrer ersten Runway-Show auf der Berlin Fashion Week und schliesst hinter sich eine Tür in ihrem Atelier, die zu einem kleinen Zimmer führt, in dem sie die letzten Wochen genächtigt hat. 2010 hat die Frankfurterin ihr eigenes Label MalaikaRaiss gegründet, ein Weg, den jährlich hunderte von Designern gehen, aber nur wenige bestehen. „Zwei Jahre haben wir um einen Kredit gekämpft und erst im Herbst 2011 die Zusage erhalten. Vorher haben wir alles selbst finanziert, über meine Eltern, eine kleine Erbschaft und Nebenjobs.“ Mit „wir“ meint die 26-Jährige ihren Freund Thomas Forwe, den zweiten Gesellschafter, der Malaika in allen betriebswirtschaftlichen Dingen unterstützt, und ihre zweite Hälfte Lina Tisken, die Malaika schon aus ihrer Uni-Zeit kennt und die sich im Hintergrund um die Arbeitsabläufe und die Produktion kümmert. Malaika übernimmt den kreativen Part. „Die Aufteilung hilft unheimlich, weil jeder seine Stärken hat. Es bringt uns einfach schneller voran“, so der Kopf der Truppe.


Nach ihrem Studium fing Malaika als Praktikantin bei Lala Berlin an, wurde Designassistentin, arbeitete für Kaviar Gauche und ist bis heute nebenbei bei der Schmuckdesignerin Sabrina Dehoff tätig. „Das Label entstand zufällig. In Berlin gibt es wenige Festanstellungen im Designbereich und der Drang, meine eigenen Ideen umzusetzen, stieg von Jahr zu Jahr. Dann haben wir es einfach gemacht.“ Doch nicht nur ein gutes finanzielles Polster und ein gut funktionierendes Trio befördern ein Label nach oben. Die richtige PR-Agentur muss gefunden, das unabdingbare Netzwerk stets bei guter Laune gehalten und die Einkäufer wollen überzeugt werden. „Wenn man von Anfang an keine Vertriebsagentur hat, ist es sehr schwierig, an die Läden heranzukommen. Mit unserer ersten Kollektion sind wir zum grössten Teil nur über Kommission in den Shops gelandet.“ Das heisst, es gibt nur Geld bei Verkauf. Inzwischen verkauft Malaika grössere Stückzahlen an Läden und Online-Shops. Sponsoren sind wie in jeder Branche auch bei Jungdesignern herzlich willkommen und vertreiben oft einige Sorgen. So sponsert der Online-Shop nelly.com nicht nur das Schuhwerk für die Show und die Goodie-Bags, sondern will Malaikas Herbst/Winter-Kollektion 2012/13 „Double Identity“ auch im Shop verkaufen, und eine Kollaboration mit Topshop steht ebenfalls im Raum. Trotzdem: Bis ein Unternehmen Gewinn abwirft, braucht es sein Zeit. Einen sechsstelligen Betrag hat Malaika investiert. Geht der Business-Plan auf, sollte sie im Sommer 2013 mit ihren klaren Silhouetten schwarze Zahlen schreiben können.

Knapp 260 Kilometer Luftlinie entfernt hat auch Xenia Alt ihren Traum von der Selbstständigkeit verwirklicht. Den Traum von einem kleinen Concept- Store in einer Seitenstrasse der Schanze in Hamburg. Sie ist dem skandinavischen Purismus verfallen und beherbergt in ihrem „Minimarkt“ Wohn- und Mode-Accessoires, Beauty-Produkte und Kunst und füllt damit eine Nische in der hanseatischen Shopping- Landschaft. Einen über Jahre ausgetüftelten Business-Plan sucht man bei der gelernten Reiseverkehrskauffrau vergeblich. Der Laden ergab sich spontan. Xenia ist die Inhaberin der Hamburger Einmann-Casting-Agentur „Smug Agency“. Vor einem Jahr wurde die Ladenfläche direkt neben ihrem Bü- ro frei und Xenia mietete sie an. Ob für die Erweite- rung der Agentur, für mehr Bürofläche oder einen Laden, das wusste sie damals noch nicht. Als ihre Untermieterin samt Shop im Herbst 2011 auszog, packte sie die Gelegenheit beim Schopfe und nahm all ihren Mut zusammen. „Ich bin mit Design aufgewachsen. Meine Eltern sind Fotografen, eine Hälfte der Familie kommt aus Dänemark und ich hatte einfach den Drang, den Menschen etwas Schönes zu zeigen.“ Acht Wochen hatte die 25-Jährige Zeit für die Planung, die Umgestaltung und die Einrichtung ihres Ladens und für den Einkauf.

Xenia hat viel Unterstützung von Freunden und von ihrer Familie erhalten. Ihre Schwester ist Grafikdesignerin und hat das Logo entworfen, ihr Vater hat auf Flohmärkten nach Inventar und Unikaten zum Verkauf Ausschau gehalten, ihre Freundin Lotte hilft im Shop aus und der Stiefvater hat ihr Bilder aus seiner Galerie zur Verfügung gestellt. „So konnte ich es kostengünstig ohne ein grosses Startkapital auf die Beine stellen. Der Einkauf von Produkten ist natürlich teuer, aber die Auswahl in dem Laden ist selektiert“, sagt Xenia. Gewinn macht der liebevoll gestaltete Laden noch nicht, die Miete und Angestelltenkosten finanziert sie mit ihrem Agentur-Job, eingenommenes Geld wird in neue Ware investiert. Xenia geht davon aus, dass der Laden in einem Jahr Gewinn abwirft. Besonders freut sie sich über die Komplimente der „kühlen Deutschen“. „Die netten Worte der Kunden belohnen meinen Mut; ich würde es jederzeit wieder machen“, sagt sie und lässt den Blick durch ihr zweites eigenes Reich schweifen.

Noch weiter nördlich im schönen Kopenhagen hat die 27-jährige Tikkie Oestrich gemeinsam mit ihrem Freund Mads Elsøe den Online-Shop „Adélie“ (adelie.dk) gelauncht. „Adélie“ heisst nicht nur der Shop, sondern auch ihr Mode-Blog, den Tikkie im Februar 2011 ins Web lud. Jetzt will sie beide Online-Welten ganz simpel miteinander verbinden: Was sie auf ihren Blog postet und trägt, wird zum Shop verlinkt.

Erfahrungen in der Modewelt hat Tikkie bei dem dänischen Magazin „Costume“, im Atelier von Stine Goya und als Styling-Assistentin in New York gesammelt. Mads war unter anderem für das „Vice Magazine“ und verschiedene Festivals tätig. Sie übernimmt den Einkauf, er die Vermarktung.

Im Vergleich zu einer Eröffnung eines realen Stores ist der Launch eines Online-Shops kostengünstiger: Das Lager wurde ins Home-Office integriert und für das Webdesign ein Bekannter engagiert – und auch Facebook sollte als kostenloses Werbemittel nicht unterschätzt werden. Lediglich der Einkauf geht ins Geld.

„Heutzutage ist es nicht einfach, Geld von der Bank zu bekommen. Deswegen waren wir froh, dass wir auf ein paar Ersparnisse zurückgreifen können“, sagt Tikkie. Das Pärchen hat sich im Sommer 2011, als die Planung losging, ein festes Budget gesetzt und ist damit auf die Messen zum Ordern gezogen. Im Shop befinden sich jetzt ausgewählte Stücke von zwölf Brands wie Peter Jensen, Magic Mountain, Won Hundred oder New Balance. Genauso schwer, wie es für Jungdesigner ist, ihre Kollektionsstücke in die Läden zu bringen, ist es auch für junge Shop-Besitzer, etablierte Marken von ihren Konzepten zu überzeugen. „Wir hatten das Privileg, nicht von diesem Problem betroffen zu sein. Kopenhagen ist klein und wir kennen viele Designer und PR -Leute persönlich. Das ist natürlich sehr hilfreich“, sagt Tikkie. Dass sie nicht sofort ihre Lebenshaltungskosten mit „Adélie“ decken können, war Tikkie und Mads, die gerade beide wieder studieren und sich mit freien Jobs finanzieren, bewusst. „Wenn wir unsere Abschlüsse in der Tasche haben, schauen wir weiter.“ Der nächste Schritt sei dann ein ausgegliedertes Büro und Lager und irgendwann vielleicht sogar ein Offline-Shop in Kopenhagen; es gebe noch tausend Modeträume, die verwirklicht werden wollen.

IHR WOLLT ES AUCH TUN?

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Der News-Blog der Seite informiert euch über Ideen für mehr Erfolg vor und nach der Gründung, über wichtige rechtliche Änderungen und gibt euch Tipps zu Steuer und Sozialversicherung.
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Die Bundesagentur für Arbeit bietet einen Gründungszuschuss für Arbeitslose, die sich selbstständig machen wollen.
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Künstlersozialkasse
Mit der Künstlersozialversicherung werden Künstler und Publizisten in den Schutz der gesetzlichen Sozialversicherung einbezogen. Der freie Künstler oder Publizist zahlt nur die Hälfte der Beiträge. Die andere Hälfte wird durch Zuschüsse finanziert.
kuenstlersozialkasse.de

Weiterführende Literatur
Sophia Muckle:„Parcours: Existenzgründung für Designer. Unabhängig - Eigenverantwortlich – Selbständig“
Zugeschnitten auf junge Kreative, leicht zu verstehen und schön designt
Verlag: Hermann Schmidt Verlag Mainz
Preis: 35 Euro
Mehr Infos findet ihr unter: amazon.de, typografie.de


 
von Katharina Charpian
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