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Zu Besuch bei Khadyak
Zu Besuch bei Khadyak
Modemädchen in ihren vier Wänden

Zeige mir deine Wohnung und ich sage dir, wer du bist. Wir stellen euch Modemädchen, Freunde und Wegbegleiter mitsamt ihren vier Wänden vor. Design oder Selfmade? Verspielt oder clean? Souterrain oder Dachterrasse? Wir schauen uns um und nehmen euch mit: BLONDE Zu Besuch bei... Khadyak.


Khadys Lächeln ist mindestens genauso hinreissend wie ihre kleine, aber feine Wohnung im populären Viertel Alexandre Dumas, eine lebhafte Nachbarschaft im Nordosten von Paris. Ein Lächeln, das uns allzu gerne an die berühmt-berüchtigte Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“ erinnert. Wie es der Zufall will, schmückt ein Bild der genannten Katze einen Blumentopf in Khadys Wohnung. Ein Energiebündel tritt uns entgegen, als die Wohnungstür im ersten Geschoss aufgeht: Die Musikerin Khady Thiam, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Khadyak, begrüsst uns in ausgewaschenen Jeans- Shorts und Pulli mit Smiley-Aufdruck im 90’s-Stil, dazu eine neongelbe Mütze auf dem Kopf und stämmige Balenciaga-Schuhe an den Füssen – ein schriller, jedoch lässiger Look, der so ziemlich gut Khadys Temperament entspricht, wie wir später feststellen.

Die 25-jährige Sängerin, die mit ihren Elektro-Pop-Hits „Fake an Attitude“ und „Tomboy“ bereits für Aufruhr in der Pariser Szene gesorgt hat, entführt uns die Wendeltreppe entlang in ihre kleine Welt, die sie sich mit ihrer Mitbewohnerin teilt: Mikado – die Katze sieht tatsächlich wie der mit Milchschokolade überzogene Keks aus – ruht sich auf dem Esstisch der orientalisch angehauchten Küche aus, während der Sonntagmorgen- Brunch abgeräumt wird und Khady uns durch das obere Geschoss ihrer Wohnung führt. Neben der grosszügigen offenen Küche befindet sich ein grell angestrichenes Zimmerchen, das vor Büchern überquillt und durch das hohe Fenster eine nette Sicht über die Dächer von Paris ermöglicht. „Ich hätte für euch gerne auf dem Dach gepost“, scherzt die Sängerin. „Aber wie ihr wahrscheinlich wisst, sind die Dächer von Paris ein wenig lebensgefährlich. Bevor ich also durch die Ziegel in die Wohnung des Nachbars hinunter stürze, zeige ich euch lieber mein Zimmer!“

Gesagt, getan! Khady führt uns wieder die Wendeltreppe hinunter und lädt uns in ihr schmales Zimmer ein. Türkise Wände fallen dabei vor allem auf; die Farbe soll beruhigend wirken. „Ich bin sehr abergläubisch und zudem eine Meditations-Fanatikerin!“, erklärt Khady und verweist dabei auf ihre aufgerollte Yoga-Matte. „Ich treffe mich übrigens heute Abend mit einem Freund zum Meditieren, was mir unglaublich zum Bewusstsein des eigenen Körpers hilft. Das habe ich als professionelle Tänzerin zwar bereits, aber Yoga und Meditation führen ein Stück weiter in Richtung Perfektion.“


Professionelle Tänzerin? In der Tat hat Khady nicht nur eine schöne Stimme, sondern weiss auch, wie man sich zu bewegen hat! 2008, kurz bevor sie mit ihrem eigenen musikalischen Projekt angefangen hat und somit zu Khadyak wurde, war sie Tänzerin für das französische Indie-Phänomen Yelle. Mittlerweile tanzt sie aber nur noch für ihre eigenen Musikvideos, abgesehen von den Tanzstunden, die sie ab und an gibt, um ein wenig Taschengeld zu verdienen. Einer von ihren Schülern war sogar Willy Cartier, bevor er zum heiss begehrten Topmodel und Gesicht von Givenchy Menswear wurde: „Willy hat eine tolle Ausstrahlung! Er ist wunderschön und auch als Schauspieler talentiert. Es ist wahrhaftig überraschend zu sehen, dass aus dem schüchternen Jungen der neue Hengst auf der Modewiese wurde“, grinst die junge Sängerin.

Abgesehen von der Yoga-Matte ist jedoch keine weitere Spur von sportlichen Aktivitäten in Khadys Zimmer zu sehen, denn ihre eigene Welt schwört auf einen typischen Girl-Next-Door-Flair: süss, unprätentiös, kreativ angehaucht und gekonnt lässig. Überhaupt mischt Khady gerne unterschiedliche Elemente miteinander; solange alles bunt und gemütlich ist, entspricht es auch ihrem Geschmack. „Ich denke in Wirklichkeit nicht viel über Einrichtung nach. Ich bin relativ impulsiv, was meine eigene Deko angeht. Meine Möbel habe ich entweder auf der Strasse aufgesammelt oder bei Ikea gekauft, wenn ich nichts vor der Haustür gefunden habe“, erklärt Khady. „Viel wichtiger sind für mich die Objekte, mit denen ich mich identifizieren kann. Wie das kleine eingerahmte Portrait von Frida Kahlo, das in meinem Wandschrank steht. Frida ist für mich das Sinnbild einer starken Frau, die ihren eigenen Weg geht, egal was ihr in die Quere kommt. Als ich vor ein paar Jahren eine schwere Knieverletzung hatte und dementsprechend das Tanzen vorab aufs Eis legen musste, dachte ich, meine Karriere wäre am Ende. Aber gerade durch diese körperliche Einschränkung konnte ich Musik für mich neu entdecken. Nun bin ich von meinem Keyboard und Mikro unzertrennlich: Singen und Komponieren sind für mich unverzichtbar geworden.“ Ihre musikalischen Idole? Von der Punkrock-Legende Patti Smith über New-Wave-Favoriten Joy Division bis hin zu sexy Berliner Elektro-Beats à la Peaches – Khady bleibt neugierig und lässt sich von jeglicher musikalischen Form berühren.

Da aber Musik selten alleine kommt und sogar meist mit Mode Hand in Hand geht, ist ein Einblick in Khadys Garderobe ein Muss. Neben der schmalen, aber geschmackvollen Auswahl an goldenem Vintage-Schmuck lässt der bunte und dennoch gut durchdachte Kleidermix grüssen: „Ich habe eine Vorliebe für unabhängige Designer, die ausdrucksstarke Kollektionen auf die Beine stellen, mag die Art von Kleidung, in der Kunst und Mode gerne ineinander fliessen“, behauptet Khady und holt dabei ein Kleid von dem französischen Enfant terrible Jean- Charles de Castelbajac aus dem Schrank. „Diane von Fürstenberg gehört auch dazu. Ihre vielfältigen Druckmotive finde ich einfach nur schön. Ansonsten kombiniere ich wie die meisten Leute einfach gerne Vintage mit Designerkleidung und No-Name- Kleidungsstücken – ein wahrhaftiger Melting Pot. Worauf ich aber immer bestehe, ist eine gewisse Lässigkeit. Ich will mich in meinen Kleidern frei fühlen. Sie dürfen gerne exzentrisch sein, aber nur wenn sie auch komfortabel sind. Deshalb muss auch immer ein Hauch Unisex in meinem Kleiderschrank dabei sein, entsprechend meiner ,Tomboy‘-Attitüde.“

Von den eigenen vier Wänden abgesehen: Was gibt es Neues im Leben von Khadyak? „Ich war sehr überrascht, als ich vor einigen Wochen aus dem Nichts heraus eine E-Mail von Azealia Banks bekommen habe! Sie hat mein Video zu ,Tomboy‘ gesehen und es hat ihr offensichtlich gefallen. Wir haben ein gemeinsames Lied aufgenommen, das auf Azealias EP ,1991‘ Ende April erscheinen wird. Darüber hinaus habe ich neulich durch Zufall die Designerin Tsumori Chisato kennengelernt und werde nun für ihre Kollektion ,Cat’s‘ passende Musik komponieren. Und dann wäre da noch das Grossprojekt, mein Debütalbum aufzunehmen. Mehr verrate ich aber erst, wenn der Vertrag unterzeichnet ist, denn wie schon gesagt: Ich bin recht abergläubisch...“ Wir sind uns sicher, dass das Schicksal nur das Beste für Khadyak im Auge hat!



 
von Elisabeta Tudor
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