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Maximo Park
Maximo Park
Vertraut fremde Töne.

Nach drei Jahren und diversen Soloprojekten der Bandmitglieder sind Maximo Park zurück mit einer Greatest Hits Platte. Wie jetzt, Greatest Hits? Was Sänger Paul Smith und Gitarrist Duncan Lloyd genau über die Einflüsse aus Techno und Synthie und das daraus entstandene Soundkonglomerat namens "The National Health" zu sagen haben, konnten wir im Interview für euch herausfinden.


Wie war es nach diversen Soloprojekten wieder zusammenzukommen?
Paul Smith: Die Umstellung war tatsächlich nicht einfach. Losgelöst von der Gruppe beginnt man anders zu denken, was ja auch Auswirkungen auf die Band hat. Aber wir haben eigentlich immer die Einstellung gehabt, dass wir alle für eine Weile unser eigenes Ding machen und es immer klar war, dass wir wieder zurückkommen werden.
Man hat die Band immer im Hinterkopf und nachdem ich an so vielen anderen Projekten gearbeitet habe, wie zum Beispiel an meinem Soloalbum, wollte ich persönlich auch unbedingt wieder zurück zu Maximo Park und hatte grosse Lust aggressivere Musik zu machen; zumal meine eigenen Songs eher ruhig und melancholisch waren. So läuft es eigentlich auch immer: das nächste Album ist immer eine Reaktion auf das letzte. Nur so kommt man weiter. Mit „National Health“ haben wir das erste Mal keine bestimmte Richtung eingeschlagen. Schliesslich waren wir eine Weile getrennt und ob man will oder nicht, mit so einer Pause entfernt man sich auch immer ein Stück voneinander. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, als wir alle noch im selben Haus lebten, da hörte man einfach die selbe Musik. Heute leben wir alle zwar noch in Newcastle leben, haben uns aber einfach weiterentwickelt, unter anderem weil wir unterschiedliche Verantwortungen tragen. Dementsprechend waren die ersten Versuche für das neue Album schon sehr frustrierend. Wir mussten den Sound von Maximo Park erst wieder finden. Aber dieser Prozess half uns wiederum etwas Neues auszuprobieren.

Am Ende wurde es tatsächlich ein sehr vielfältiges Album.
PS: Ja, es sind ganz unterschiedliche Einflüsse. Von Techno, Synthie bis hin zu Pianoklängen. Wir haben uns getraut diese Einflüsse dieses Mal zuzulassen, was mit Sicherheit daran liegt, dass wir um einiges entspannter waren. So gut wie alle Songs auf „The National Health“ haben diese Direktheit.
Duncan Lloyd: Unsere musikalische Gemeinsamkeit war schon immer die Popmusik. Natürlich haben wir darüber hinaus auch persönliche Geschmäcker. Diese wollten wir dieses Mal zusammenbringen. Der Song „Hips and Lips“ ist ein sehr gutes Beispiel für das Resultat dieses Konglomerats; der hat einen Techno-Beat als Grundlage, während Paul melodisch dazu singt. Sicher haben wir dieses Mal mit unterschiedlichem ‚Rohmaterial’ gearbeitet, aber unsere Methoden sind immer noch die gleichen.

Es scheint, als wären die Aufnahmen zu dem Album ein sehr selbstreflexiver Prozess gewesen.
DL: Sicher. Man reflektiert ununterbrochen.

Auch wenn „The National Health“ sehr durchmischt und anders ist, wie würdet ihr das Album beschreiben? In drei Worten.
PS: Ich würde sagen: dynamisch, emotional und... vielfältig.

Drei Jahre sind ja schon eine lange Zeit. Gab es in der Zwischenzeit musikalische Phänomene, die euch inspiriert haben oder mit denen ihr überhaupt nichts anfangen konntet?
PS: Wir hören sehr viel ältere Musik, aber auch Indie-Musik aus den USA, wie Real Estate. Die Grundstimmung von „The National Health“ erinnert an manchen Stellen auch an Deerhunter. Generell eigentlich Musik, die vor der Melodie nicht zurückschreckt, aber ihre Art und Weise doch Underground ist. Ich meine, Maximo Park war ja auch nie eine Mainstream-Band, obwohl wir schon einen kleinen kommerziellen Erfolg verzeichnen können. Unsere Ideen kommen aus der ‚linken Ecke’ und wir transformieren diese einfach in Pop-Songs und wollen dem Mainstream so eigentlich entgegenwirken.
DL: Die Einflüsse sind unterbewusst eigentlich immer da. Schliesslich mögen wir privat zum Teil auch wirklich unterschiedliche Sachen und wenn man genau hinhört merkt man das. Sogar Experimentelles wie Oneohtrix Point Never oder Bands des Labels Not Not Fun spielen da mit rein. Amerika hat in der Hinsicht total viel zu bieten. Aber im Grunde genommen war uns wichtiger uns auf das zu konzentrieren, was wir wirklich wollen.
PS: Genau. Es sind die unterschiedlichen Einflüsse, die wir in einen Topf geworfen haben, um daraus wieder was ganz anderes zu machen, nämlich den Sound von Maximo Park.

Der Widererkennungswert ist dadurch nicht verloren gegangen. Der typische Sound der Band ist immer noch da, auch wenn es in der Grundstimmung schon stärker und hektischer geworden ist.
PS: Auf jeden Fall! Es ist immer noch familiär, aber gleichzeitig für uns etwas komplett Neues. Man könnte das eigentlich mit der Shuffle-Funktion eines iPod vergleichen, die Grundstimmung variiert extrem. Allein von der Stimmung her könnte die Platte eine Art Greatest Hits von Maximo Park sein. Das merkt man ja bereits bei dem ersten Song „The National Health“; welcher sehr hektisch und schnell beginnt, aber an den richtigen Stellen wieder ruhiger und melodischer wird. Dieser Song allein beschreibt das Album eigentlich ziemlich gut.

Ihr lebt alle in Newcastle und habt zeitweise sogar im selben Haus gewohnt. Was hat auch davon abgebracht wegzuziehen. Warum nicht London oder ganz woanders?
PS: Newcastle ist unser Zuhause. Für mich vereint diese Stadt alles was ich brauche: ganz viel unberührte Natur, die Küste, tolle Architektur und Kultur, aber es hat auch diesen Industriestadt-Charme.

Welche Tipps würdest Du unseren Newcastle-Touris geben?
PS:Ich würde auf jeden Fall empfehlen sich am Ufer, am Tyne umzuschauen. Dort gibt es viele Bars und Clubs, von denen einige so kitschig und geschmacklos eingerichtet sind, dass es sich schon wieder lohnt hinzugehen. Eine Architektur-Tour sollte man auch machen. Direkt am Wasser, an den Quays, gibt es dieses riesen Glasgebäude, The Sage, was aussieht wie ein Raumschiff. Ganz schön abgespaced... Wenn man die Küster weiter entlangläuft kommt man kommt man an einigen Museen und Galerien vorbei. Das Baltic zeigt oft sehr gute Ausstellungen. Dann gibt es ganz viele kleinere Orte, wie alte Kinogebäude, in denen heute Konzerte stattfinden. Newcastle ist keine Weltmetropole, aber die Stadt hat sich in den letzten Jahren auch verändert. Viele junge, kreative Menschen machen den Ort zu dem was es ist, ohne dass der Charme verloren geht.

Man kann jederzeit zurückkommen und das Gefühl haben zu Hause zu sein.
PS: Ja. Das ist uns wichtig. Deswegen leben wir immer noch in Newcastle. Und deswegen sind wir als Maximo Park eigentlich auch wieder zusammengekommen. Wir haben uns weiterentwickelt und experimentiert, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt an dem man wieder das Vertraute sucht.



 
von Melissa Canbaz
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