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Im Takt von New Orleans
Im Takt von New Orleans

Die besten Jazz - und Blues-Musiker spielen in kleinen, urigen Bars, die Cocktails werden „to go“ serviert und auf den Strassen wird gefeiert, als ob es kein Morgen gäbe: Die musikalischste Stadt der USA wird nicht ohne Grund The Big Easy genannt. BLONDE-Autorin Katja Hentschel war für uns in New Orleans und erzählt, warum der nächste Urlaub unbedingt gen Südstaten gehen muss.


In New Orleans steht die Zeit still. Am Ufer des Mississippi wartet seelenruhig ein Schaufelraddampfer auf seine nächste Fahrt, während zwei Ecken weiter im „Café du Monde“ Kellner in weissen Anzügen rund um die Uhr französische Beignets und Café au Lait servieren, so wie sie es bereits seit 150 Jahren tun. Alter Südstaatencharme glänzt an Kolonialhäusern und in den Augen der Einwohner. Hin und wieder fährt eine weisse Kutsche vorbei und auf der Strasse spielt eine Band den Blues mittels Waschbrett, Kontrabass und Steppschuhen.

Die Strassen von New Orleans sind voll von Talent, Persönlichkeit und dem Geruch von Hot Dogs. In den Schaufenstern stehen Voodoo-Puppen neben Jesus-Statuetten, die Bars öffnen noch vor den Geschäften und irgendwie fühlt sich jeder Morgen an wie der danach. In gewisser Weise ist das auch so, denn in New Orleans lebt man vor allem für die Nacht. Dann wird aus dem verträumten Städtchen im US-Staat Louisiana eine Hochburg für Hedonisten und Freunde von ausgeprägter Abendkultur, für Jazzhörer, Biertrinker, Grosse- Reden- und Tanzbeinschwinger und allen anderen, denen Schlaf einfach zu langweilig ist.

Feiertage und Strassenfeste gibt es mehr, als das Jahr Tage hat, und so vergeht auch kaum ein Wochenende, an dem nicht an irgendeiner Ecke eine Party lockt. Eine Uhr braucht man hier nicht, die Zeit vergeht ohnehin viel langsamer als sonst irgendwo auf der Welt. Ein in die Länge gezogenes Schwätzchen hier, eine verspätete Tram da – alles kein Problem im Big Easy, denn hier ist das Leben eben vor allem das: easy.

„New Orleans ist wie ein grosses Dorf, hier ist einfach jeder dein Freund“, erzählt Dominique, 27, die schon überall gelebt hat und nun in New Orleans ihre eigene PR-Agentur aufzieht. Tatsächlich redet jeder mit jedem und soziale Gruppenbildung, wie sie oft in anderen Grossstädten stattfindet, ist nur schwach oder gar nicht erkennbar. Beste Voraussetzungen, um ohne Umwege in die Szene einzutauchen und sich mit ein paar Einheimischen auszutauschen, am besten mit einem kühlen Glas Wein in der Hand.

Stadtteile wie Bywater oder Marigny, die bis vor kurzem noch als alt und ausgedient galten, sind heute hippe Schauplätze für ständig neu öffnende Hot Spots, die vor allem von ortsansässigen Musik-, Mode- und Kunstleuten frequentiert wird. Einer davon ist das „Bacchanal“, eine Weinbar der besonderen Art, in deren Innenhof man die Abende in geselliger Runde und auf unprätentiösen Plastikstühlen verbringt, während täglich wechselnde Live- Bands gute Laune verbreiten. Ebenfalls sehr beliebt ist das „Mimi’s“, eine Mischung aus Bar und Restaurant, das sich selbst als „mehr Hausparty als Hot Spot“ beschreibt und dessen Grunge-Charme so legendär ist wie seine leckeren Fischgerichte. Wie in fast jedem Laden, der Alkohol ausschenkt, so gibt es auch hier immer gute Live-Musik.


Wer Lust auf Bar-Hopping und die Suche nach dem feinsten New-Orleans-Jazz hat, der sollte das auf der Frenchmen Street tun. Hier reihen sich ein paar der vielleicht besten Bars der USA aneinander, und wer Glück hat, der stolpert unverhofft in eine spontane Jam Session der grössten Bluesoder Jazzmusiker der Landes. Im „Spotted Cat“ zum Beispiel kann man sich neben freiem Eintritt und günstigen Drinks auch über ein Piano in der Damentoilette freuen. Rauen Charme und interessante Menschen findet man im „Apple Barrel“, in dem man leicht ein paar denkwürdige Nächte verbringen kann, sofern einen die verrauchte Luft und das bröckelnde Dekor nicht stören. Das „d.b.a.“ platzt jeden Abend aus allen Nähten und zeichnet sich vor allem durch eine lockere Klientel und eine beeindruckende Auswahl an Cocktails aus. Mit einem exotischen Drink in der Hand geht man dort auch mal gerne vor die Tür, um sich von dem jungen Typen mit dem „Poetry while you wait“-Schild ein Gedicht improvisieren zu lassen.

Ja, die Abende können lang werden, doch auch enthusiastische Nachtschwärmer brauchen ab und an neue Klamotten und da bleiben in New Orleans kaum Wünsche offen. Vor allem Vintage-Liebhaber werden ohne grosse Mühen ihre Einkaufstaschen füllen können. Am besten setzt man sich hierfür in die altmodische Tram, die gemächlich in den Garden District tuckert, in dem die Magazine Street, die berüchtigste Indie-Shoppingmeile der Stadt, auf einen wartet: „Funky Monkey“, „Buffalo Exchange“ und „Lili Vintage Boutique“ trumpfen mit tollen Stücken aus den 70ern, 80ern und 90ern auf, ohne dabei den Geldbeutel zu sehr zu belasten. Ein paar Blocks weiter befindet sich „Miss Claudia’s“, eine Fundgrube für Karnevalskostüme und aussergewöhnliche Accessoires. Kein Glitzerhut, Tutu, keine Perücke, die es hier nicht geben würde, selbst die Wühlkartons bieten ungeahnte Schätze. Den Vintage-Look als Neukreation ergattert man bei „Trashy Diva“, in dem Besitzerin Candice Gwynn ständig wechselnde Kollektionen von fein gearbeitetem Schmuck und Kleidern anbietet, inspiriert von fast jedem Jahrzehnt der letzten 100 Jahre. Die ultimative Adresse für jedes Modemädchen ist der „Hemline“-Shop, in dem Kreationen lokaler Jungdesigner und internationaler Labels auf neue Besitzer warten. „Hemline“ hat Filialen im Garden District sowie im French Quarter.

Wenn die Tüten zu schwer und der Mund zu trocken werden, muss man nur noch entscheiden, wonach einem der Sinn steht. Für Süsses ist man im „Sucré“ bestens aufgehoben, wo edler Kaffee und delikate Desserts serviert werden. Wer es kalorienärmer mag, schlemmt im „Slim Goodies Diner“ an leckerer kreolischer Küche, vor allem die Süsskartoffelpfannkuchen und das FlusskrebsÉtouffée versprechen ein kleines Gaumenfest. Wenn es nicht zu heiss ist, lohnt sich ein Platz am Balkon der zweistöckigen „Balcony Bar“, von der aus man bei günstigen Drink Specials die Shopper der Magazine Street gut beobachten kann, während aus der Jukebox die Rock-Klassiker der letzten 30 Jahre tönen.

Es muss nicht immer eine Bar sein. Manchmal ist es am schönsten, sich sein Bier oder seinen Cocktail „to go“ geben zu lassen – etwas, das innerhalb der USA nur in New Orleans legal ist –, damit durch die Nachbarschaft zu schlendern und die ganz besondere Energie aufzunehmen, die diese Stadt an sich hat. An jeder Ecke findet sich ein freundliches Gesicht, ein spontanes „Hello“ von einem Fremden oder ein nettes Kompliment für dein Kleid. Gemütlich bummelt man an den Schaufenstern, Cafés und hübschen Gebäuden vorbei, macht hin und wieder ein Foto und es dauert nicht lange und man fühlt es. Das Gefühl von Ewigkeit. Die Illusion, dass die Zeitrechnung in New Orleans eine andere ist. Eine, die dich einlädt, dich zurückzulehnen, und dir ein Lächeln auf dein Gesicht zaubert, während in der Ferne eine Jazzband ein Lied spielt, nur für dich.

SHOPPING

Miss Claudia’s Vintage Clothing & Costumes
Miss Claudia hat alles, was das Vintage und Kostüm liebende Herz begehrt, und das zu kleinen Preisen.
4204 Magazine Street, missclaudias.com

Trashy Diva
Vintage-inspirierte Kleider und einzigartiger Schmuck werden hier in regelmässig wechselnden Kollektionen vorgestellt.
829 Chartres Street, trashydiva.com

Funky Monkey
Vintage galore aus den 70ern, 80ern und 90ern mit verspielten Kleidern, coolen T-Shirts und bunten Accessoires.
3127 Magazine Street, funkymonkeyvintage.blogspot.com

Buffalo Exchange
Hier gibt es eine riesige Auswahl an Second-Hand-Klamotten zu kleinen Preisen. Die guten Sachen finden vor allem die, die Zeit mitbringen zum Wühlen.
3312 Magazine Street, buffaloexchange.com

Lili Vintage Boutique
Gepimpte und aufgearbeitete Vintage-Cocktailkleider und Schmuck sind die Spezialität dieses kleinen Shops.
3329 Magazine Street, lilivintage.com

Hemline Shop
Kollektionen von lokalen Jungdesignern und internationalen Labels.
609 Chartres Street und 3308 Magazine Street, shophemline.com

CAFES

Café du Monde
Touristenmagnet, doch nicht zu Unrecht. Der ideale Ort, um bei einem leckeren Beignet und Café au Lait Leute zu beobachten.
800 Decatur Street, cafedumonde.com

Café Amelie
Ob für Cocktails am Nachmittag oder zum Brunch am Sonntag, das „Amelie“ ist zu jeder Tageszeit eine beliebte Adresse für Touristen und Einheimische. Der 150 Jahre alten Hof mit seinem romantischen Brunnen und seinen weissen Sonnenschirmen nimmt einen mit auf eine kleine Reise in die Vergangenheit.
912 Royal Street, cafeamelie.com

ESSEN

Slim Goodies Diner
Heisse Adresse für Brunch.
3322 Magazine Street

Sucré
Anlaufstelle für alles, was süss und lecker ist. Hier gibt es ausserdem die besten Macarons ausserhalb von Paris.
3025 Magazine Street, shopsucre.com

TRINKEN

Bacchanal
Auf den ersten Blick ein einfaches Weingeschäft, doch wer den Weg in den Hinterhof findet, wird dort belohnt mit romantischen Lichterketten, guter Stimmung und leckerem Essen.
600 Poland Avenue, bacchanalwine.com

Mimi’s
Jeder kennt jeden im „Mimi’s“ und neue Leute werden mit offenen Armen empfangen. Hier trifft sich die lokale Mode und Musikszene, um ausgiebig Bier und Cocktails zu schlürfen.
2601 Royal Street, mimisinthemarigny.net

d.b.a.
Die beeindruckende Auswahl an Bier und Cocktails wird nur noch von der guten Live-Musik übertrumpft.
618 Frenchmen Street, dbabars.com

Spotted Cat
Kostenloser Eintritt, gute Live-Musik und ein Piano auf der Damentoilette sind nur drei von vielen Gründen, um hier mal reinzuschneien.
623 Frenchmen Street, spottedcatmusicclub.com

Apple Barrel
Interessante Leute, starke Drinks und womöglich den besten Blues der Stadt findet man hier. Im ersten Stock gibt es ausserdem gutes Essen.
609 Frenchmen Street

Balcony Bar
Günstige Drinks und ausgelassene Stimmung in dieser zweistöckigen Bar, von deren Balkon aus man gut das Leben auf der Strasse beobachten kann.
1104 Harmony Street


 
von Katja Hentschel
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